Wird Europa seine digitale Freiheit erlangen und seinen Kampf um die Unabhängigkeit von Cloud-Diensten gewinnen?
Das unberechenbare Verhalten des US-Präsidenten Donald Trump auf der Weltbühne hat eine massive europäische Gegenreaktion im Bereich der Datensouveränität ausgelöst. Frankreich ist dabei das jüngste Land, das US-amerikanische Big-Tech-Unternehmen ablehnt.
Die Ankündigung, dass die französische Regierung nun vom Microsoft-Betriebssystem auf die Open-Source-Plattform Linux wechseln wird, ist Teil eines laufenden Versuchs, die europäische Abhängigkeit von US-Technologie zu verringern.
Dieser Trend zeigte sich bereits durch Ankündigungen der niederländischen und dänischen Regierungen sowie einiger deutscher Bundesländer, Linux einzuführen, da sie Bedenken gegenüber dem sogenannten US-amerikanischen „Datenimperialismus“ haben. Der US-Präsident hat öffentlich erklärt, dass es das Ziel Amerikas sei, dass 100 % der weltweiten Daten über US-amerikanische Computerinfrastruktur laufen.
Die Kontrolle über die digitale Zukunft zurückgewinnen
Bei der Ankündigung der französischen Pläne bezeichnete der Minister für den öffentlichen Dienst, David Amiel, die Entscheidung als eine Art Aufstand. Er erklärte, dass dieser Schritt dazu diene, „die Kontrolle über unsere digitale Zukunft zurückzugewinnen“. Frankreich könne „nicht länger akzeptieren, dass es keine Kontrolle über seine Daten und seine digitale Infrastruktur hat“.
Der wachsende und zunehmend entschlossene europäische Widerstand gegen US-amerikanische „Big Tech“-Unternehmen wird durch das zunehmende Gefühl verstärkt, dass die USA dem Kontinent ihren digitalen Willen aufzwingen und nationale Gesetze sowie Bedenken hinsichtlich der Online-Sicherheit ignorieren.
Einen Tag vor der Ankündigung strahlte die Radiosendung PassWord von Future Intelligence auf ResonanceFM „Borders in Cyberspace“ aus – den ersten Teil einer zweiteiligen Reihe über Datensouveränität, die die Gegenreaktion sowie die Frage untersucht, wie eine Unabhängigkeit von den USA erreicht werden kann.
In der Sendung PassWord erklärte die finnische Europaabgeordnete Aura Salla, dass es für die europäische Sicherheit unerlässlich sei, dass Europa über Technologien verfügt, die es selbst kontrolliert. Salla verwies auf Microsofts Entscheidung, das E-Mail-Konto von Karim Khan, dem Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, zu sperren, und bezeichnete dies als einen entscheidenden Moment.
Khans E-Mail-Konto wurde von Microsoft gesperrt – einem der Unternehmen, das zusammen mit Meta, Apple, Google und Amazon zu den sogenannten Hyperscalern gehört –, nachdem Khan von der US-Regierung sanktioniert worden war, weil er einen Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen ausgestellt hatte.
Der Kill Switch, der den Streit ausgelöst hat
Eine Handlung, die viele europäische Politiker als den Microsoft-„Kill Switch“ bezeichnen. Sie weisen darauf hin, dass das Unternehmen ebenso leicht eine Regierung wie eine Einzelperson von seinen Diensten ausschließen könnte.
Salla betonte außerdem, dass alle US-Unternehmen dem US-amerikanischen Cloud Act unterliegen. Das bedeutet, dass sie verpflichtet sind, der US-Regierung auf Anfrage sämtliche Daten offenzulegen – unabhängig davon, wem diese Daten gehören und wo sie gespeichert sind.
„Jetzt ist der Moment gekommen – für die europäische Verteidigung, für einen umfassenden Sicherheitsansatz und dafür, dass unsere Technologie endlich auf eigenen Beinen steht.“
Author: Pete Warren
Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/europes-war-digital-independence-pete-warren-iofae
