«Früher war (nicht) alles besser!? – Wie KI das Leben eines 74-Jährigen bereichert

interview zu ki und swissgt

Ein Interview mit Henry Goldmann aus Zürich

1. Wer ist eigentlich Henry Goldmann und was macht Henry den ganzen Tag?

Zuerst bin ich mal ein «golden ager», bin 74-jährig, und bin Startup Unternehmer. Unter dem brand «Senior Speed Coaching» biete ich drei Arten von Coachings an. Wer neugierig ist, kann das auf meiner Webseite chansehen. Von der Ausbildung her habe ich zwei Studien: Ökonomie und Klinische Psychologie. Beruflich war ich einerseits Dozent an der Uni und an der PH Zürich für Didaktik und Pädagogik in der Ausbildung von Mittelschul-Lehrpersonen. Didaktik heisst kurz gesagt: Wie sag ich’s meinem Kinde? 😊 Das meint: wie präsentiere ich den Schulstoff gut und interessant? Parallel dazu habe ich an der KV-Schule in Zürich Jugendliche unterrichtet. Und dort habe ich auch Psychologie-Kurse gegeben, war in der Leitung des Care-Teams und habe eine online-Beratungsplattform aufgebaut, wo Jugendliche Antworten auf ihre drängenden Lebensfragen erhalten.
Und was ich heute den ganzen Tag mache? Mein saying ist: Ich arbeite viel, ich arbeite gern, aber ich arbeite entschleunigt! Und genau ums letzte muss ich mich selber kümmern, damit ich nicht dem Spruch vieler Pensionisten verfalle: «Ach, ich habe jetzt viel mehr Stress als früher!»

2. Wie hast du AlpineAI kennen gelernt?

Kennengelernt habe ich AlpineAI aus einer Folge von «Neugier-Schritten» meinerseits, und zwar so: 1) Was man nicht denken würde: obwohl golden ager, war ich KI-Nutzer der ersten Stunde . Kurz nach der Lancierung von chat.openai.com (Ende Nov. 2022) habe ich damit zu spielen begonnen – und war immer wieder überwältigt und begeistert von den Ergebnissen. Aber ich merkte sehr schnell: noch mehr als beim Googeln ist die Qualität des Ergebnisse abhängig von der genauen, ausführlichen Eingabe (modernes wording: von den prompts). Und genau da sind viele User viel zu ungenau, und schimpfen dann über unbrauchbare Vorschläge von ChatGPT. 2) So war mein Interesse für dieses mächtige Tool voll geweckt und ich verfolgte die Medien-Diskussion dazu. Im Mai 2023 kam eine SRF-Club-Sendung zum Thema KI, mit super spannenden Fachleuten (> googeln «SRF Club Künstlliche Intelligenz!) Und da drin prominent Pascal Kaufmann, angekündigt als Pionier wie Elon Musk und Stephen Hawking. Schon da habe ich viel dazugelernt. 3) Pascal erwähnte in dieser Sendung seine brandneue Schweizer KI-Firma AlpineAI, die unter anderem Datensicherheit anbietet für Unternehmungen und Gemeindeverwaltungen bei der Nutzung von ChatGPT. Und da hatte ich den Gedankenblitz: ‘Meine’ Gemeinde Kilchberg sollte eine der ersten sein, welche SWISSGPT, eben dieses Schweizer Sicherungsprogramm einführt. 4) Kurzerhand nahm ich Kontakt auf, direkt zu Pascal Kaufmann, und so kam alles in Fluss, dass ich mich heute guten Gewissens als KI-Experte für Anwendung und Sicherheit bezeichnen darf!

3. In deinem Startup Unternehmen bietest du verschiedene Coachings an. Was hat sich für dich geändert dabei durch KI, und welchen zusätzlichen Nutzen würde dir SwissGPT bringen?

Ganz klar: Mit ChatGPT kann ich meine Coachings noch besser, sozusagen «geistreicher» gestalten. Coaching heisst ja, eine Klientin, einen Klienten zu den von ihr/ihm defnierten Zielen begleiten und fördern. Und da braucht es viele eigene Ideen, Vorschläge, die man einbringen möchte. Und davon habe ich – immer klientenbezogen – sehr viel, denn ich kann mich sehr gut in die Lage einer anderen Person versetzen und sozusagen ‘an ihrer Stelle’ weiterdenken. Aber mit ChatGPT kann ich diese Ideen jetzt noch ausdehnen, über meinen eigenen Horizont hinaus, das ist fantastisch! Ein Beispiel: In einem Berufscoaching erwägt die Klientin, vom Finanzbereich (krisengebeutelt) zu einer Krankenkasse (stabiler, aber niedrigere Einkommen) zu wechseln. Da ist es meine Aufgabe, ihr diese neue Branche auszuleuchten. Klar habe ich Erfahrung und Wissen dazu, aber ich will weiter gehen: Also gebe ich bei ChatGPT ein: «Was für Jobs und Tätigkeiten gibt es bei Krankenkassen?» Die umfassende Antwort haut mich fast um! Und das macht dann ihren Entscheidungsprozess einfacher. Klar bietet SwissGPT für mich ein grosser Zusatznutzen, vor allem betreffend Datensicherheit: Ich könnte ohne Bedenken auch sensible Daten, z.B. von Klientinnen, eingeben, aber bin abgesichert, dass nichts davon in die USA geht oder anders abgezapft werden kann.

4. Als jemand, der sozusagen noch die Welt ohne KI kennt und jetzt mit. Was denkst du zu den Sätzen „Früher war alles besser?“

Das ist ein gängiges Saying, und auch ein intensives Gefühl, vor allem von Vertretern der älteren Generation. Das dürfen wir nicht als reale Einschätzung nehmen, sondern als einen Ausdruck der persönlichen Befindlichkeit: Es ist eben anstrengend und herausfordernd, sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, vieles nicht gleich zu verstehen, überfordert zu sein. Und das frühere, das alte, kann man gut und kennt man gut. Also ist es doch einfacher und besser, dabei zu bleiben und die neuen Entwicklungen negativ zu kennzeichnen! Es hat keinen Sinn, argumentativ dagegenhalten zu wollen, weil es ohnehin nicht sachlich begründbar ist. Mein zufallsbedingtes Glück ist es, dass ich immer neugierig geblieben bin gegenüber neuen Entwicklungen und mich – trotz inneren Abwehrimpulsen – den neuen Anforderungen gestellt habe.

5. Wo siehst du dich und KI in 3 Jahren?

Dann wäre ich 77. Solange ich geistig und körperlich gesund bin, werde ich wohl den Anschluss halten können. Aber das ist eben nicht automatisch oder selbstverständlich, sondern es ist eine permanente Herausforderung und Auseinandersetzung. Ich komme mir oft vor, als ob ich ewig der Entwicklung hinterherrenne, ohne sie ganz einzuholen, aber ich werde (zum Glück) auch nicht ganz abgehängt 😊

 

6. Was rätst du dem Nachwuchs von heute im Hinblick auf die KI Nutzung?

Beim Nachwuchs, sprich bei den jüngeren Generationen, sehe ich eigentlch keine Probleme. Sie nützen mehrheitlich alle neuen Tools, vielleicht manchmal etwas zu wenig kritisch, mit zu wenig Eigenüberlegung. Zum Beispiel unser Sohn, geboren 1986, ist klar ein digital native. Mit 9 hat er schon seinen eigenen Computer aufgebaut und Programmiersprachen gelern. Und seitdem jede neue Entwicklung wie ‘organisch’ aufgenommen und eingebaut in sein umfassendes digitales Know-How.

 

7. Nun zu SwissGPT und AlpineAI. Würdest du unsere Lösung weiterempfehlen und wenn ja an wen und warum?

Ja unbedingt würde ich SwissGPT weiterempfehlen und tue es auch bereits. Bei mir primär an Schulen/Hochschulen und an Verwaltungen von Gemeinden, Städten, Kantonen. Es ist traurig, mit ansehen zu müssen, wie vielerorts die ganze Energie in KI-Verbote und KI-Regelungen gesteckt wird anstatt in konstruktive Anwendung!

 

8. Abgesehen von KI und SwissGPT, was sind für dich wichtige Schlüssel-Kompetenzen, die auch wir als Anbieter eines KI-Tools anbieten sollten?

AlpineAI könnte eine Service-Angebot lancieren zum Support von Kundinnen/Kunden beim konstruktiv-sicheren Gebrauch von KI-Tools, also eine Art «KI-Coaching»: bei Firmen, Schulen/Hochschulen und Öffentlichen Verwaltungen wäre das total sinnvoll!
Selber werde ich ein solches «KI-Coaching» in mein Angebot bei Senior Speed Coaching einbauen!

 

9. Zum Schluss, hast du das letzte Wort, was soll unbedingt noch mit ins Interview?

Das ist ein sehr persönliches Schlusswort. Schon im Leben unserer Grosseltern und Eltern gab es dauernd neue, grosse Entwicklungsschritte, und immer schwang das Gefühl mit: das wird jetzt der letzte grosse Schritt sein, noch weiter kann es ja fast nicht gehen. Und da kommt – wie aus dem nichts – plötzlich ein riesiges, neues, mächtiges Tool in unsere Welt und konzentriert alle Aufmerksamkeit – als Chance und als Bedrohung – auf sich. Und da bin ich einfach sehr glücklich und ein bisschen stolz, dass ich da ab Beginn aufgesprungen bin und dran bleibe. Mir war ja schon vorher nie langweilig mit allen meinen Beschäftigungen, aber KI ist nochmals eine Bereicherung meines Lebens, ich fühle mich mittendrin im Zeitgeschehen. Das macht mir Freude!

 

 

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